Das Wichtigste in Kürze
Freiflächenanlagen legten im ersten Halbjahr 2026 erstmals stärker zu als Dach-PV. Der Zubau lag bei 4,1 Gigawatt, ein Anteil von 54 Prozent an den Neuinstallationen (Solarserver, 2026).
Schraubfundamente senken die Gründungskosten gegenüber Beton um 20 bis 40 Prozent und verkürzen die Bauzeit um bis zu 70 Prozent (Photovoltaik.info, 2026).
Die Unterkonstruktion macht typischerweise 5 bis 10 Prozent der Gesamtinvestition einer Freiflächenanlage aus (Grünes Haus, 2026).
Flache Unterkonstruktionen mit geringem Schattenwinkel lassen nahezu die gesamte Regenmenge an die Vegetation durch. Bei steilen Systemen bleiben dagegen bis zu 65 Prozent der Fläche unbewässert (pv magazine, 2025).
Privilegierter Bau nach § 35 BauGB gilt nur innerhalb eines 200-Meter-Korridors entlang Autobahnen und Schienenwegen. Außerhalb davon entscheidet oft erst die Statik der Gründung mit über die Flächenwahl (topagrar, 2023).
Freiflächenanlagen sind 2026 erstmals am Dach-Zubau vorbeigezogen. Für Solarteure, die aus dem Dachgeschäft kommen, ist die Unterkonstruktion der Punkt, an dem sich Freifläche und Dach am stärksten unterscheiden. Beim Dach setzt die vorhandene Statik die Grenzen. Bei der Freifläche bestimmen Bodenart und Lastannahmen direkt, ob ein Rammfundament, ein Schraubfundament oder ein Betonfundament zum Einsatz kommt. Das wirkt sich unmittelbar auf Bauzeit, Kosten und Genehmigungsfähigkeit aus. Dieser Leitfaden vergleicht die drei gängigen Gründungstypen. Er zeigt, wie du anhand eines Bodengutachtens die passende Lösung auswählst, und ordnet ein, worauf es bei Korrosionsschutz und Agri-PV-tauglicher Unterkonstruktion ankommt.
Warum wächst das Geschäft mit Freiflächen-Unterkonstruktionen gerade jetzt?
Im ersten Halbjahr 2026 wuchs der Zubau von Freiflächenanlagen um 32 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 4,1 Gigawatt. Das war erstmals mehr als die Hälfte aller PV-Neuinstallationen in Deutschland (Solarserver, 2026).
Kumuliert stehen inzwischen 44 Gigawatt Freiflächen-PV rund 81 Gigawatt Dach-PV gegenüber (Solarserver, 2026). Besonders bemerkenswert: Aus bereits erteilten Ausschreibungszuschlägen liegen noch 9,75 Gigawatt Kapazität in der Pipeline. Diese muss bis Mai 2028 realisiert werden – ein Auftragsvolumen, das in den kommenden Jahren direkt in Planungs- und Baukapazität für Unterkonstruktionen übersetzt werden muss.
Für Solarteure, die bislang überwiegend Dachprojekte geplant haben, bedeutet das ein Geschäftsfeld mit eigenen technischen Regeln. Mehr zum gesamten Planungsprozess findest du in unserem Leitfaden PV-Freiflächenanlage planen.
Welche Unterkonstruktionstypen gibt es für PV-Freiflächenanlagen?
Für Freiflächenanlagen stehen im Kern drei Gründungsarten zur Wahl: das gerammte Stahlprofil (Rammfundament), die Erdschraube (Schraubfundament) und das punktuelle oder ballastierte Betonfundament. Welche sich eignet, hängt fast ausschließlich von der Bodenbeschaffenheit ab (Photovoltaik.info, 2026).
Das Rammfundament ist in Deutschland der Standard für große Solarparks. Ein Stahlprofil wird dabei mit einem Rammgerät direkt in gewachsenen Boden getrieben, ganz ohne Beton oder Aushub. Das Schraubfundament funktioniert ähnlich schnell. Es nutzt aber ein gewendeltes Profil, das die Tragfähigkeit zusätzlich über die Schraubwirkung im Erdreich erhöht – ein Vorteil bei wechselnden Bodenschichten. Das Betonfundament kommt dort zum Einsatz, wo Fels, sehr lockerer Sand oder hoher Steinanteil ein Eintreiben unmöglich machen. Alle drei Systeme werden meist als Reihenfundament unter einer gemeinsamen Pfettenkonstruktion ausgeführt, nicht als Einzelfundament pro Modul.
Rammfundament, Schraubfundament oder Beton: Was passt zu deinem Projekt?
Die Entscheidung läuft meist auf drei Kriterien hinaus: Bauzeit, Bodenart und Rückbaupflicht am Laufzeitende. Schraubfundamente sind bis zu 70 Prozent schneller montiert als Betonfundamente und 20 bis 40 Prozent günstiger in der Gründung (Photovoltaik.info, 2026).
| Kriterium | Rammfundament | Schraubfundament | Betonfundament |
| Typische Bauzeit pro Reihe | Sehr schnell, kein Aushub nötig | Schnell, bis zu 70 % kürzer als Beton | Langsam, inkl. bis zu 28 Tage Aushärtung |
| Kostenniveau Gründung | Günstig | 20–40 % günstiger als Beton | Höchstes Kostenniveau |
| Geeignete Böden | Gewachsener, mittelfester Boden | Normaler bis wechselnder Oberboden | Fels, lockerer Sand, hoher Steinanteil |
| Rückbau am Laufzeitende | Gut, Fläche meist wiederherstellbar | Sehr gut, nahezu vollständig entfernbar | Aufwendig, Betonreste oft im Boden |
| Bodenversiegelung | Minimal | Minimal, keine dauerhafte Versiegelung | Dauerhaft, schwer rückgängig zu machen |
Rammfundamente bleiben für klassische Solarparks auf landwirtschaftlichen oder Konversionsflächen mit mittelfestem Boden die wirtschaftlichste Wahl. Schraubfundamente punkten zusätzlich beim Rückbau – ein Kriterium, das bei Pachtverträgen mit Rückbausicherheit zunehmend Gewicht bekommt. Beton bleibt dort erste Wahl, wo ein Bodengutachten felsigen oder stark sandigen Untergrund ausweist, den Rammen oder Schrauben nicht zuverlässig tragen kann.
Wie liest du ein Bodengutachten für die Fundamentwahl richtig?
Ein Baugrundgutachten vor der Fundamentplanung ist bei Freiflächenanlagen Pflicht, nicht Kür. Anders als beim Dach, wo die vorhandene Statik die Grenzen setzt, bestimmt hier die Bodenmechanik direkt die Bauweise. Das Gutachten liefert Bodenart, Grundwasserstand und zulässige Eindringtiefe als Eingangsgrößen für die Rammprobe.
Für Solarteure, die aus dem Dachgeschäft kommen, ist das die zentrale Umstellung: Die Tragfähigkeitsprüfung erfolgt nicht am fertigen Gebäude. Sie findet vor dem ersten Spatenstich statt, meist über Rammsondierungen an mehreren Punkten der Fläche. Weicht die Bodenbeschaffenheit innerhalb der Fläche stark ab – etwa bei ehemaligen Deponien oder Konversionsflächen –, sind unterschiedliche Fundamenttypen innerhalb desselben Solarparks keine Seltenheit. Plane das Gutachten so früh wie möglich ein. Es beeinflusst nicht nur die Fundamentwahl, sondern auch die Kalkulation, die du dem Flächeneigentümer oder Investor vorlegst. Einen Überblick zur Statikprüfung bei Dachanlagen – zum Vergleich der Anforderungen – findest du in unserem Beitrag zur Dachstatik auf dem Industriedach.
Was kostet die Unterkonstruktion einer Freiflächenanlage?
Die Unterkonstruktion macht in der Regel 5 bis 10 Prozent der Gesamtinvestition einer Freiflächenanlage aus. Die absoluten Kosten skalieren dabei mit der installierten Leistung in Kilowattpeak (Grünes Haus, 2026).
Bei einem größeren Solarpark bedeutet das: Schon kleine prozentuale Einsparungen bei der Fundamentwahl summieren sich auf relevante Beträge. Gleichzeitig warnt die Branche davor, an der Materialqualität zu sparen. Minderwertige Stahlprofile oder unzureichender Korrosionsschutz führen zu höheren Wartungskosten über die 20- bis 30-jährige Laufzeit. Für die Wirtschaftlichkeitsrechnung gilt: Kalkuliere die Unterkonstruktion als eigene Position neben Modulen, Wechselrichtern und Verkabelung, nicht als Pauschalanteil der Gesamtkosten. Mehr zur Gesamtkostenstruktur gewerblicher Anlagen liest du in unserem Beitrag zu Kosten und Amortisation gewerblicher PV-Anlagen.
Korrosionsschutz: Worauf du bei Stahl-Unterkonstruktionen achten solltest
Stahlprofile für Freiflächen-Unterkonstruktionen werden in Deutschland standardmäßig feuerverzinkt, um die geplante Lebensdauer von über 50 Jahren zu erreichen (Photovoltaik.info, 2026).
Die Zinkschicht korrodiert in trockenen, sandigen Böden nur minimal, in sauren oder feuchten Moorböden dagegen deutlich schneller. Für Standorte mit kritischer Bodenchemie bieten einzelne Hersteller Spezialbeschichtungen mit zusätzlichem Aluminium- und Magnesiumanteil an, die die Zinkabgabe gegenüber Standardverzinkung spürbar reduzieren. Lass bei Standorten mit bekannt aggressivem Boden – etwa in Moor- oder Marschgebieten – ein gezieltes Bodengutachten auch auf Korrosionsrisiko prüfen. Das gilt, bevor du dich auf einen Fundamenttyp festlegst. Das spart teure Nachbesserungen nach wenigen Betriebsjahren.
Welche Rolle spielt die Unterkonstruktion bei Agri-PV?
Bei Agri-PV-Projekten entscheidet die Bauhöhe der Unterkonstruktion direkt über die Wasserversorgung der Vegetation darunter. Niedrige, flach geneigte Systeme lassen nahezu die komplette Regenmenge durch. Steile Dachkonstruktionen dagegen lassen bis zu 65 Prozent der Fläche unbewässert (pv magazine, 2025).
Eine Untersuchung von BEC-Energie Consult verglich drei Unterkonstruktionstypen. Ergebnis: Der Schattenwinkel – also der Winkel, unter dem Licht seitlich an den Modulreihen vorbei auf die Fläche fällt – beeinflusst die Vegetation stärker als der reine Reihenabstand. Selbsttragende, niedrige Systeme mit geringem Schattenwinkel kamen in der Studie auf deutlich bessere Werte als steile Aufständerungen. Die zentrale Erkenntnis der Autoren: Vegetationsausfälle unter modernen Unterkonstruktionen entstehen meist durch Wassermangel, nicht durch fehlendes Licht. Für Solarteure, die Agri-PV-Projekte planen, lohnt sich deshalb eine Unterkonstruktionswahl, die gezielt auf Wasserdurchlässigkeit statt nur auf Materialkosten optimiert. Details zu Fördermöglichkeiten und Genehmigung findest du in unserem Agri-PV-Leitfaden für Solarteure.
Welche rechtlichen Vorgaben beeinflussen die Wahl des Standorts und der Bauweise?
Privilegierter Bau nach § 35 Absatz 1 Satz 8b BauGB gilt nur innerhalb eines 200-Meter-Korridors ab dem äußeren Fahrbahn- oder Gleisrand entlang Autobahnen und Schienenwegen (topagrar, 2023).
Außerhalb dieses Korridors oder abseits benachteiligter Gebiete braucht nahezu jede Freiflächenanlage eine Änderung des Bebauungsplans durch die Gemeinde – unabhängig davon, welche Unterkonstruktion technisch vorgesehen ist. Die Flächenkulisse bestimmt also zuerst, ob und wie schnell du überhaupt bauen darfst; erst danach entscheidet das Bodengutachten über die Fundamentwahl. Einen vollständigen Ablauf zur Genehmigung und Flächenkulisse findest du in unserem Beitrag PV-Freiflächenanlage genehmigen – dieser Leitfaden konzentriert sich bewusst auf die technische Fundamentwahl danach.
Schritt für Schritt: So wählst du die passende Unterkonstruktion aus
Gehe bei der Fundamentwahl in einer festen Reihenfolge vor, statt Bodenart und Budget gleichzeitig zu verhandeln. Das reduziert Nacharbeit, wenn das Bodengutachten andere Ergebnisse liefert als ursprünglich angenommen.
- Standort und Flächenkulisse klären – prüfe zuerst, ob § 35 BauGB greift oder eine Bauleitplanung nötig wird.
- Bodengutachten beauftragen – mit Rammsondierungen an mehreren Punkten der Fläche, inklusive Grundwasserstand.
- Fundamenttyp vorauswählen – Rammfundament oder Schraubfundament als Standardfall, Beton nur bei ungeeignetem Boden.
- Korrosionsschutz festlegen – Standardverzinkung oder Spezialbeschichtung je nach Bodenchemie.
- Agri-PV-Anforderungen prüfen – falls relevant, Bauhöhe und Schattenwinkel auf Wasserdurchlässigkeit optimieren.
- Kosten als eigene Position kalkulieren – 5 bis 10 Prozent der Gesamtinvestition realistisch einplanen, nicht pauschal schätzen.
- Rückbau mitdenken – Fundamenttyp auch danach bewerten, wie einfach er sich am Laufzeitende entfernen lässt.
Häufige Fehler bei der Wahl der Unterkonstruktion
Der häufigste Fehler: die Fundamentwahl vor dem Bodengutachten festlegen, meist aus Kostengründen zugunsten des vermeintlich günstigsten Systems. Das rächt sich, wenn die Rammprobe später einen ungeeigneten Boden zeigt und die Reihen neu geplant werden müssen.
Ein zweiter häufiger Fehler ist, den Korrosionsschutz als Verhandlungsmasse im Angebotsvergleich zu behandeln. Günstigere Standardverzinkung mag auf dem Papier überzeugen. Bei aggressiven Böden verursacht sie aber frühzeitigen Wartungsbedarf, der die Einsparung bei den Materialkosten über die Laufzeit mehr als aufzehrt. Bei Agri-PV-Projekten wird die Unterkonstruktion zudem oft rein nach Kosten ausgewählt, statt nach Schattenwinkel und Wasserdurchlässigkeit. Das Ergebnis: Die Vegetation wächst trotz ausreichend Licht nicht an, weil schlicht kein Regenwasser durchkommt.
FAQ: PV-Freiflächenanlage Unterkonstruktion
Was ist der Unterschied zwischen Rammfundament und Schraubfundament?
Das Rammfundament ist ein gerammtes Stahlprofil ohne zusätzliches Gewinde, das Schraubfundament nutzt ein gewendeltes Profil, das zusätzliche Tragfähigkeit über die Schraubwirkung im Boden erzeugt. Beide kommen ohne Beton aus und sind deutlich schneller montiert als Betonfundamente.
Wann ist ein Betonfundament bei Freiflächenanlagen nötig?
Immer dann, wenn das Bodengutachten Fels, sehr lockeren Sand oder einen hohen Steinanteil ausweist, der ein Eintreiben von Ramm- oder Schraubfundamenten unzuverlässig macht. Beton ist universell einsetzbar, aber langsamer und teurer in der Errichtung.
Wie viel kostet die Unterkonstruktion im Verhältnis zur Gesamtanlage?
Branchenüblich liegt der Anteil bei 5 bis 10 Prozent der Gesamtinvestition, abhängig vom gewählten Fundamenttyp und der Bodenbeschaffenheit (Grünes Haus, 2026).
Brauche ich für jede Freiflächenanlage ein Bodengutachten?
Ja. Ohne belastbare Daten zu Bodenart und Tragfähigkeit lässt sich die Fundamentwahl nicht seriös treffen, und viele Finanzierer verlangen das Gutachten ohnehin für die Projektfreigabe.
Wie wirkt sich die Unterkonstruktion auf Agri-PV-Flächen aus?
Die Bauhöhe und der Schattenwinkel entscheiden darüber, wie viel Regenwasser die Vegetation unter den Modulen erreicht. Niedrige, flache Systeme sind hier im Vorteil gegenüber steilen Aufständerungen (pv magazine, 2025).
Welche Rolle spielt der Rückbau bei der Fundamentwahl?
Pachtverträge verlangen meist eine Rückbausicherheit. Schraub- und Rammfundamente lassen sich leichter und günstiger entfernen als Betonfundamente, die oft dauerhafte Bodenversiegelung hinterlassen.
Quellen
- Solarserver: Analyse – Erstmals mehr Photovoltaik-Freiflächenanlagen als Gebäude-PV (Fachagentur Wind und Solar, abgerufen am 06.10.2026)
- Photovoltaik.info: Das richtige Fundament für Ihre PV-Anlage – Schraubfundament vs. Beton (abgerufen am 06.10.2026)
- Grünes Haus: PV-Unterkonstruktion – Voraussetzungen und Preise (abgerufen am 06.10.2026)
- pv magazine: Untersuchung zur Einstrahlung und Wasserverfügbarkeit auf der Vegetationsfläche unterschiedlicher Unterkonstruktionstypen (BEC-Energie Consult, abgerufen am 06.10.2026)
- topagrar: Privilegierung von PV-Freiflächenanlagen entlang von Autobahnen (abgerufen am 06.10.2026)






