Das Wichtigste in Kürze
- Der deutsche PPA-Markt schrumpfte 2025 auf 1,3 GW und 27 Deals, ein Drittel des Rekordwerts von 2023 (dena, 2026).
- Solar-PPA kosten 2025 im Schnitt 35 bis 45 Euro pro MWh bei zehnjähriger Laufzeit.
- Ab 100 kWp gilt seit 2016 Direktvermarktungspflicht nach § 21 EEG, PPA sind eine Option daneben.
- On-Site- und Off-Site-PPA unterscheiden sich vor allem durch den Stromweg: eigene Leitung oder öffentliches Netz.
Der Markt für Power Purchase Agreements in Deutschland kühlt sich spürbar ab, nachdem er 2023 seinen bisherigen Höchststand erreicht hatte (dena, 2026). Für Solarteure heißt das nicht, dass sich PPA für Gewerbekunden nicht mehr lohnen. Es heißt, dass du genauer hinschauen musst, wann sie wirklich passen. Dieser Leitfaden zeigt dir, wie ein PPA funktioniert, was er 2026 kostet und wann Direktvermarktung oder Eigenverbrauch die bessere Wahl sind.
Der Rahmen dafür wächst weiter: Ende 2025 waren in Deutschland rund 118 Gigawatt Photovoltaik-Leistung installiert, 17,6 Gigawatt davon kamen allein 2025 hinzu (BSW Solar, 2026). Immer mehr davon entfällt auf Gewerbedächer, für die sich die Frage nach dem passenden Vermarktungsmodell überhaupt erst stellt, sobald die Photovoltaik-Planung für Unternehmen abgeschlossen ist.
Was ist ein PPA für Photovoltaik-Anlagen?
Ein Power Purchase Agreement ist ein langfristiger Stromliefervertrag zwischen einem Erzeuger und einem Abnehmer, meist über zehn bis fünfzehn Jahre. Der Käufer sichert sich damit einen festen oder gleitenden Preis für Solarstrom, unabhängig vom volatilen Spotmarkt (dena, 2026).
Für deinen Gewerbekunden bedeutet das Planungssicherheit bei den Stromkosten über die gesamte Vertragslaufzeit. Für dich als Solarteur öffnet ein PPA ein zusätzliches Finanzierungsmodell, wenn der Kunde die Anlage nicht selbst kaufen will. Statt einer Einmalinvestition zahlt er einen vereinbarten Preis je gelieferter Kilowattstunde.
Wie unterscheiden sich On-Site- und Off-Site-PPA?
Bei einem On-Site-PPA fließt der Strom über eine direkte Leitung vom Erzeuger zum Verbraucher am selben Standort (flex-power.energy, 2026). Ein Beispiel ist das Dach der Werkshalle, das direkt die Produktion versorgt. Ein Off-Site- oder virtuelles PPA liefert den Strom dagegen über das öffentliche Netz. Die Anlage kann dabei Kilometer vom Verbrauchsort entfernt stehen.
Für die meisten deiner Gewerbekunden mit eigenem Dach ist das On-Site-Modell der naheliegende Einstieg: keine Netzentgelte auf den direkt genutzten Strom, keine zusätzliche Vertragspartei. Off-Site-PPA lohnen sich eher für Unternehmen, die mehr Strom beziehen wollen, als auf dem eigenen Dach erzeugbar ist, etwa über eine PV-Freiflächenanlage an einem anderen Standort.
Ab wann ist Direktvermarktung Pflicht – und wo setzt ein PPA an?
Anlagen über 100 kWp, die seit dem 1. Januar 2016 in Betrieb gingen, müssen ihren Strom nach § 21 EEG in Verbindung mit § 24 Abs. 1 EEG direkt vermarkten, statt die feste Einspeisevergütung zu erhalten (Netze BW, 2026). Für Anlagen ab 500 kWp gilt die Pflicht bereits seit August 2014.
Ein PPA ist eine von mehreren Formen dieser Direktvermarktung, neben dem Marktprämienmodell über einen Vermarkter. Beim PPA verkaufst du den Strom direkt an einen konkreten Abnehmer zu einem festen Preis. Beim Marktprämienmodell vermarktest du ihn stattdessen über die Börse und gleichst die Differenz zur Marktprämie aus. Wie das Marktprämienmodell im Detail funktioniert, erklären wir in unserem Beitrag zur Direktvermarktung von PV-Strom im Gewerbe.
Auch Anlagen unter 100 kWp können freiwillig direkt vermarkten. Das lohnt sich vor allem, wenn ein Gewerbekunde ohnehin einen hohen Eigenverbrauch hat und den Rest lieber zu einem festen Preis statt zur schwankenden Marktprämie verkauft.
Ein Detail, das in der Beratung häufig übersehen wird: Mehrere kleinere Anlagen desselben Betreibers am selben Standort können nach § 24 Abs. 1 EEG als eine Anlage zusammengerechnet werden. Prüf deshalb vor jedem Angebot, ob die Summe aus Bestandsanlage und geplanter Erweiterung die 100-kWp-Schwelle überschreitet, statt jede Erweiterung isoliert zu betrachten.
Was kostet ein PPA für Gewerbe-PV aktuell?
Solar-PPA mit zehnjähriger Laufzeit kosteten 2025 im Schnitt 35 bis 45 Euro pro Megawattstunde (dena, 2026). Eine separate Marktanalyse nennt für dieselbe Periode eine Spanne von 55 bis 75 Euro pro MWh, je nach Vertragsstruktur und Bonität des Abnehmers (pv magazine, 2025).
Die Bandbreite zeigt: Der Preis hängt stark von Vertragslaufzeit, Bonität und Liefermodell ab. Zum Vergleich lag der Spotmarktpreis 2024 im Schnitt bei 80 bis 100 Euro pro MWh (pv magazine, 2025). Ein PPA unter diesem Niveau ist für viele Unternehmen deshalb wirtschaftlich attraktiv, auch wenn er den Kunden formal an einen einzigen Lieferanten bindet.
Auffällig ist der Trend zu kürzeren Laufzeiten. Während der klassische Corporate-PPA über zehn bis fünfzehn Jahre lief, werden zunehmend Verträge unter fünf Jahren abgeschlossen (dena, 2026). Für deinen Kunden bedeutet das mehr Flexibilität, aber auch weniger langfristige Preissicherheit.
Der Preis hängt außerdem davon ab, ob dein Kunde als Abnehmer als bonitätsstark eingestuft wird. Energieversorger und Vermarkter bewerten das Ausfallrisiko über die Vertragslaufzeit, bevor sie einen Preis anbieten. Ein mittelständischer Betrieb ohne Bonitätsrating zahlt deshalb oft am oberen Ende der genannten Preisspanne, ein Konzern mit gutem Rating eher am unteren Ende.
Wie hat sich der deutsche PPA-Markt 2025 entwickelt?
Der Rückgang traf vor allem reine Corporate-PPA. Von 27 Abschlüssen 2025 stammten nur sieben von klassischen Unternehmensabnehmern. Über 75 Prozent des Volumens entfielen dabei auf die Sektoren Transport, Automobil und Chemie (dena, 2026). Deutschland fiel damit europaweit auf Platz vier zurück, hinter Spanien, Italien und Polen.
Gegenläufig entwickelten sich speichergekoppelte Verträge. Flexibility Purchase Agreements mit Batteriespeicher wuchsen von 140 auf 249 Megawatt binnen eines Jahres. Insgesamt kamen 25 speichergekoppelte Deals auf 1.092 Megawatt zusammen (dena via pv magazine, 2026). Wer als Solarteur Gewerbespeicher mit anbietet, kann diesen Trend nutzen und PV-PPA mit Flexibilitätsvermarktung kombinieren.
Für deine Beratung heißt das: Ein reines PPA-Angebot an ein mittelständisches Unternehmen ist 2026 schwerer zu platzieren als noch vor zwei Jahren. Ein kombiniertes Angebot aus PV, Gewerbespeicher und flexibler Vermarktung trifft dagegen einen wachsenden Markt.
Welche PPA-Deals wurden zuletzt in Deutschland abgeschlossen?
Zur Einordnung ein Blick auf reale Abschlüsse aus 2026 (ContextCrew, 2026). VSB und thyssenkrupp Rasselstein vereinbarten im August ein On-Site-PPA. DHL Group und Statkraft schlossen im Juli ein Wind-PPA, Sunnic Lighthouse lieferte im Februar Solarstrom an thyssenkrupp. Die meisten dieser Deals betreffen energieintensive Industriebetriebe, nicht den klassischen Mittelstand.
Für deine Gewerbekunden mit einigen hundert bis wenigen tausend Quadratmetern Dachfläche sind das keine direkten Vergleichsgrößen. Sie zeigen aber, in welche Richtung sich Vertragsstrukturen und Preisniveaus in der Breite entwickeln, und liefern dir Argumente in Kundengesprächen.
Welche neuen Regeln durch das Solarspitzengesetz solltest du kennen?
Seit dem 25. Februar 2025 erhalten neue PV-Anlagen ab 2 kW keine EEG-Vergütung mehr während negativer Börsenstrompreise (pv magazine, 2025). Entgangene Vergütungen lassen sich erst nach Ablauf der zwanzigjährigen Förderdauer nachholen, sofern ein Smart Meter verbaut ist.
Für Anlagen über 100 kWp ist dieser Fall meist ohnehin abgedeckt, da sie schon wegen der Direktvermarktungspflicht ein entsprechendes Messkonzept brauchen. Kleinere Anlagen unter 25 kW ohne Smart Meter oder steuerbare Einrichtung müssen ihre Einspeisung zusätzlich auf 60 Prozent der installierten Leistung drosseln, die sogenannte Duldungspflicht (BSW Solar, 2026).
Genau hier setzt ein PPA an. Wer den Strom vertraglich an einen festen Abnehmer verkauft, statt auf die volatile EEG-Vergütung zu setzen, verlagert das Risiko negativer Preise auf die Vertragsparteien. Dort lässt es sich meist besser steuern als über die gesetzliche Nachholregelung.
PPA, Marktprämie oder Eigenverbrauch: Die Entscheidung nach Verbrauchsprofil
Die Entscheidung hängt vom Verbrauchsprofil deines Kunden ab. Sie hängt nicht von der Anlagengröße allein ab. Ein Betrieb mit hohem Eigenverbrauch tagsüber profitiert zuerst von optimiertem Eigenverbrauch, bevor sich ein PPA für den Rest überhaupt lohnt.
Bei Überschussstrom, den der Kunde nicht selbst nutzt, ist die Marktprämie der einfachere Standardweg. Es wird kein zusätzlicher Vertragspartner gesucht. Ein PPA lohnt sich vor allem, wenn der Kunde Planungssicherheit über mehrere Jahre will. Das gilt auch, wenn die Anlage größer ausgelegt wird, als der eigene Verbrauch derzeit hergibt, etwa bei einer Erweiterung fürs künftige Flottenladen.
Welche Fehler solltest du bei der PPA-Verhandlung vermeiden?
Unsere Erfahrung aus Gesprächen mit Solarteuren zeigt, dass sie einen wiederkehrenden Fehler machen, wenn sie den PPA-Preis isoliert vergleichen, statt Netzentgelte und Umlagen einzurechnen. Ein niedriger Kilowattstundenpreis wirkt attraktiv, verschiebt aber nur einen Teil der Gesamtkosten.
Ein zweiter Fehler betrifft die Vertragslaufzeit. Wer seinem Kunden pauschal zehn Jahre empfiehlt, ignoriert den Trend zu kürzeren, flexibleren Verträgen. Frag stattdessen nach geplanten Investitionen, etwa einer neuen Produktionslinie, die den Stromverbrauch in wenigen Jahren deutlich verändern könnte.
Ein dritter Punkt betrifft die Abnahmeverpflichtung. Manche PPA verlangen eine feste Mindestabnahme, unabhängig vom tatsächlichen Verbrauch. Prüf diese Klausel gemeinsam mit deinem Kunden, bevor er unterschreibt, statt sie im Kleingedruckten zu übersehen.
Für Betriebe mit hohen Netzentgelten lohnt sich zusätzlich ein Blick auf die atypische Netznutzung nach § 19 StromNEV, die unabhängig vom gewählten Vermarktungsmodell greifen kann.
Die folgende Übersicht fasst die drei Modelle für die Erstberatung zusammen:
| Merkmal | PPA | Marktprämie | Eigenverbrauch |
| Preissicherheit | Hoch, fest vereinbart | Niedrig, folgt dem Marktwert | Hoch, ersetzt Netzstrompreis |
| Vertragsaufwand | Hoch, eigener Abnehmer nötig | Niedrig, über Vermarkter | Kein zusätzlicher Vertrag |
| Typische Laufzeit | 5 bis 10 Jahre | Laufend, kündbar | Lebensdauer der Anlage |
| Passt am besten zu | Überschussstrom, planungssicherer Kunde | Standardfall ab 100 kWp | Hoher Tagesverbrauch |
Schritt für Schritt zum PPA-Angebot für deinen Kunden
So gehst du vor, wenn ein Gewerbekunde nach einem PPA fragt oder du ihm eines vorschlagen willst.
1. Lastgang und Eigenverbrauchsquote prüfen. Ohne belastbare Verbrauchsdaten lässt sich weder die passende Anlagengröße noch der wirtschaftliche Vorteil eines PPA seriös berechnen.
2. On-Site- oder Off-Site-Modell festlegen. Klär zuerst, ob die Dachfläche für den gewünschten Bedarf reicht oder ob eine externe Erzeugungsanlage nötig wird.
3. Vertragslaufzeit mit dem Kunden abstimmen. Zehn Jahre bringen Preissicherheit, unter fünf Jahren mehr Flexibilität bei künftigen Verbrauchsänderungen.
4. Preisniveau realistisch einordnen. Die aktuelle Spanne von 35 bis 75 Euro pro MWh dient als erste Orientierung, der finale Preis hängt von Bonität und Struktur ab.
5. Alternativen gegenrechnen. Vergleiche das PPA-Angebot immer mit Marktprämie und optimiertem Eigenverbrauch, bevor du dich auf ein Modell festlegst.
Reonic AI Chat unterstützt dich bei Schritt eins und vier. Du bekommst die Projektwirtschaftlichkeit für unterschiedliche Vermarktungsszenarien direkt aus deiner Anlagenplanung heraus, statt sie manuell in einer separaten Tabelle nachzurechnen. Verfügbar im Portal und in der mobilen App.
Häufig gestellte Fragen zu PPA für Photovoltaik im Gewerbe
Was ist ein PPA und wann lohnt es sich für Gewerbekunden?
Ein PPA ist ein langfristiger Stromliefervertrag mit festem oder gleitendem Preis, meist über zehn Jahre. Er lohnt sich, wenn ein Kunde Planungssicherheit will und mehr Strom erzeugt, als er selbst verbraucht, aktuell zu Preisen von 35 bis 75 Euro pro MWh (dena, 2026).
On-Site- oder Off-Site-PPA: welche Variante für Unternehmen?
On-Site eignet sich für Betriebe mit ausreichend eigener Dach- oder Freifläche, da der Strom direkt vor Ort fließt. Off-Site-PPA passen für Unternehmen, die mehr Strom beziehen wollen, als am eigenen Standort erzeugbar ist (flex-power.energy, 2026).
Ab welcher Anlagengröße ist Direktvermarktung Pflicht?
Seit 2016 gilt die Pflicht für Anlagen über 100 kWp, seit 2014 bereits für Anlagen über 500 kWp, geregelt in § 21 EEG in Verbindung mit § 24 Abs. 1 EEG (Netze BW, 2026).
Wie funktioniert die PV-Direktvermarktung unter 100 kW?
Anlagen unter der Pflichtgrenze können freiwillig direkt vermarkten, statt die feste Einspeisevergütung zu nutzen. Das lohnt sich bei hohem Eigenverbrauch, wenn der Restüberschuss zu einem festen statt schwankenden Preis verkauft werden soll.
Wie wirkt sich das Solarspitzengesetz auf bestehende PPA-Verträge aus?
Seit Februar 2025 entfällt die EEG-Vergütung neuer Anlagen ab 2 kW während negativer Börsenpreise. Ein PPA verlagert dieses Preisrisiko vertraglich auf die Parteien, statt es über die gesetzliche Nachholregelung erst nach zwanzig Jahren auszugleichen (pv magazine, 2025).
Wie steht der deutsche PPA-Markt im europäischen Vergleich da?
Deutschland fiel 2025 mit 1,3 Gigawatt Neuvertragsvolumen auf Platz vier in Europa zurück, hinter Spanien, Italien und Polen (dena, 2026). Für Solarteure lohnt sich deshalb ein Blick über die eigene Region hinaus, bevor sie ein PPA als Standardlösung anbieten.
Fazit
Der deutsche PPA-Markt ist 2025 spürbar geschrumpft, bleibt für gut vorbereitete Gewerbekunden aber eine valide Option neben Marktprämie und Eigenverbrauch. Entscheidend ist, das Modell am Lastgang des Kunden auszurichten, statt es pauschal zu empfehlen.
Wer als Solarteur die Wirtschaftlichkeit sauber vorrechnet und Alternativen ehrlich gegenüberstellt, positioniert sich als Berater statt als reiner Anlagenverkäufer. Genau das erwarten Gewerbekunden angesichts sinkender Netzentgelte und neuer Regeln durch das Solarspitzengesetz zunehmend.
Halte dabei die drei zentralen Stellschrauben im Blick: die Höhe des Eigenverbrauchs, die gewünschte Vertragslaufzeit und die Bonität deines Kunden. Wer diese drei Größen kennt, kann in der Erstberatung meist schon einschätzen, ob ein PPA, die Marktprämie oder eine reine Eigenverbrauchsoptimierung den größten Effekt bringt.





